Verbot professioneller Jagd ist nur der Anfang

Als Naturschützer sehen wir Dinge manchmal vollkommen anders als andere oder vielleicht sagen wir auch einfach unsere Meinung. Bitte beachten Sie: diesen Artikel haben wir als Löwen-Liebhaber geschrieben, aber er ist für alle bestimmt, um aufzuklären was tatsächlich in Afrika geschieht. Und das ist einer der Hauptgründe, weshalb wir für Löwen radfahren – um Antworten zu finden und nach Lösungen zu suchen.

 

Mit einem Auto durch Afrika zu fahren ist fantastisch, es zeigt einem die Schönheit und man fühlt sich in Berührung mit Afrika. Glauben Sie uns, wenn wir sagen: radfahren durch Afrika ist unbeschreiblich. Man bewegt sich langsamer fort, sieht Millionen mehr Dinge, die Zeit steht still und die einzige Konstante ist die Sonne, die sich um einen herum bewegt.

In Weiterführung unseres vorherigen Artikels über canned lion hunting möchten wir Sie mit weiteren Informationen versorgen, unsere Gedanken zum massiven Rückgang der Löwenpopulation erläutern und sichergehen, dass Sie von zuhause aus mehr involviert werden, um die Löwen zu retten.

 

Wie bereits beim letzten Mal erwähnt, ist es so einfach, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen und jemanden zu beschuldigen. Schauen wir uns einige Länder an, die die Löwenjagd verboten haben, wie zum Beispiel Botswana, Sambia und Kenia. Das sind gute Neuigkeiten für alle von uns, wir fühlen, dass die Spezies gerettet und unsere Arbeit erledigt ist. Aber lassen Sie sich das sagen: das ist nur ein kleiner Schritt des Weges, der länger ist als man erwarten würde. Schlüpfen wir einmal in die Rolle des “ Advocatus Diaboli” zu diesem Thema und beginnen mit einer kurzen Erläuterung zur Jagd auf Löwen:

Für die legale Jagd in freier Wildbahn vergibt die Regierung normalerweise eine bestimmte Anzahl von Jagdgenehmigungen pro Jahr, die von Jagdausrüstern gekauft werden. Sind also zum Beispiel 50 Löwen in Tansania zum Preis von X pro Löwe verfügbar, kauft jeder der Ausrüster vielleicht 4 davon und verkauft diese Genehmigungen für viel Geld an die eigentlichen Jäger weiter.

 

Wie gesagt, das ist ein vereinfachtes Beispiel um darzustellen, wie das abläuft. In unserem Beispiel könnten also jährlich 50 Löwen geschossen werden – in einem Land wie Tansania, das die höchste Löwenpopulation hat. 50 von 5.000 – 7.000. Eigentlich nicht so schlimm, oder? Das Problem, dass die meisten Naturschützer damit haben, ist dass es oftmals nur sehr geringe Kontrollen gibt, welche Löwen geschossen werden dürfen. Oder die Methoden, die dafür verwendet werden sind manchmal nicht ausreichend. Schießt man den falschen Löwen, tötet man damit vielleicht 7 weitere Löwen, denn ein Männchen könnte für eine Gruppe von Löwinnen und Babys verantwortlich sein. Verschwindet der Beschützer, kommen neue Männchen in das Revier und töten die Jungtiere und manchmal sogar die Weibchen: Schieße einen, töte 8.

 

Das Jagdverbot ist nur der erste Schritt, quasi die Spitze des Eisbergs und wir müssen daran weiterarbeiten. Radfahren durch Afrika benötigt Zeit, Tage und Wochen - und das Beste daran ist, WIR VERBRINGEN ZEIT mit vielen verschiedenen Kulturen, Menschen und hören Geschichten, die man sonst nie hören würde. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sehr sich manche Dinge, die Umgebung und selbst die Menschen und ihre Methoden verändern, während man von einem Gebiet in das nächste kommt. Das GRÖSSTE Problem, dem die Löwen ausgesetzt sind, sind die Mensch/Wildtier-Konflikte. Was wir herausgefunden haben ist, dass es sich bei den getöteten Löwen meist um jugendliche Löwen handelt, da diese aus ihren Gebieten herausgehen und Rinder reißen. Wenn Löwen in diesen fast „verlassenen“ Gegenden getötet werden, wird das den örtlichen Behörden nicht gemeldet, sondern es wird “auf Sicht” geschossen, die Kadaver werden entweder verbrannt, vergraben oder einfach liegen gelassen. Nicht nur einen, manchmal sogar 5 auf einmal.

 

Warum sollten die Leute das auch melden, den meistens geschieht eh nichts, das Gebiet ist nahezu unzugänglich, es kommt keine Hilfe, also ist es das einfachste zu schießen. Wir haben herausgefunden, dass vor einigen Monaten (Oktober um genau zu sein), Researchers 7 Löwen mit GPS-Halsbändern ausgestattet haben. Nach drei oder vier Monaten waren 4 davon bereits getötet und die Halsbänder wurden durch die Einheimischen verbrannt. Über 16.000 US-Dollar wurden so vernichtet. Seit unseren Studien letztes Jahr wissen wir bereits von 3 Löwen aus diesen Studien, die auf Sicht getötet wurden, ohne dass sie größere Probleme verursacht hätten und ohne dass es Antworten gibt. Wir haben angefangen die Löwen zu zählen VON DENEN WIR WISSEN und sind bei 16 getöteten Löwen angelangt – in weniger als 3 Monaten. Wenn wir von 16 erfahren haben, garantieren wir dass die tatsächliche Anzahl noch deutlich höher sein muss – wir gehen von der dreifachen Zahl von getöteten Löwen aus.

 

Wenn lokale Farmer, Herdenbesitzer und Getreidebauern nicht die notwendige Unterstützung erhalten, werden sie mit diesem Töten weitermachen, um ihr eigenes Heim zu schützen. Was diese nicht wissen: nimmt man 3 heraus, macht man dadurch Platz für 3 andere, die ihren Platz einnehmen. Sie lösen also nicht das Problem, sondern verzögern es lediglich. Wenn man vergleicht, wie viele Löwen legal und mit hohem Erlös von professionellen Jägern erlegt werden und wie viele Löwen durch die lokale Bevölkerung getötet werden, ist der Prozentsatz ziemlich erschreckend. Wo sind also die Lösungen? Wir behaupten nicht, dass wir sie alle kennen, aber zumindest müssen die Farmer und die lokale Bevölkerung Verantwortung für ihre Viehherden übernehmen. Wenn das Vieh nicht in RAUBTIERsicheren Bomas untergebracht wird sondern frei und ungesichert herumläuft, sollte es keine Entschädigung durch die Regierung geben, wenn ein Löwe auf das Gelände des Farmers eindringt und Tiere reißt. Wenn man keine Verantwortung für sein Eigentum übernimmt, da die Regierung die Verluste stets übernimmt – was lehrt das eine Gesellschaft? Nur wenn ein Löwe in eine Boma eindringt, ist eine Entschädigung in Ordnung, da die Farmer „so arm wie sie sind“ alles Mögliche getan haben, um das Vieh zu schützen.

Es sollten Studien vorgenommen werden, warum Löwen aus den Nationalparks und Schutzgebieten herausgehen und stattdessen Viehherden jagen. Hierzu gibt es viele Theorien, z.B. dass Rinder einfacher zu fangen sind als Kudus oder Impalas – aber was ist der Hauptgrund? Haben die Nationalparks eine so hohe Löwendichte, dass diese Löwen sich anderweitig nach Futter umsehen müssen? Wir zweifeln das an. Ist genügend Beute für sie da? Wasser? Die Tage, an denen wir uns entspannt zurücklehnen und sagen können “This is Africa” (“Das ist Afrika”), alles geschieht wie es immer war, und wir dürfen uns nicht in die Natur einmischen sind vorbei. Die Zahl der Beutetiere geht kontinuierlich durch Wilderei, Dürren und Inzucht zurück und wir müssen hier viel genauer hinschauen: Gibt es genügend Beutetiere in jedem Nationalpark, Vergleich der Niederschläge der letzten 50 Jahre, Migrationsmuster, Vegetation, Löwendichte, menschliche Eingriffe rund um die Reservate, Strafen für Wilderei. Darauf basierend müssen die richtigen Schlüsse gezogen werden. Beispielsweise sollte der lokalen Bevölkerung nicht erlaubt werden, in einem Radius von 20 km um einen offenen Nationalpark herum Viehzucht zu betreiben. Stattdessen sollten sie eine größere Unterstützung durch die Behörden erhalten. Oder sofern sie Viehzucht betreiben wollen, sollten sie mehr Unterstützung erhalten als Farmer die in einer sicheren Entfernung von 100 km arbeiten, da sie größeren Risiken ausgesetzt sind.

Wir haben nicht alle Antworten, aber alles was wir sagen können ist, dass drastische Aktionen unternommen werden müssen, um den Rückgang der Löwenpopulation zu stoppen oder zumindest zu stabilisieren. Menschen, die mit ihnen zusammenleben sollten unterstützt werden, aber müssen auch die Verantwortung für ihre Herden übernehmen. Es darf KEINE EINBAHNSTRASSE SEIN!

 

Wir hoffen, dass Sie alle wissen, dass wir die Jagd nicht verteidigen oder unterstützen, wir wollen die Dinge lediglich in Bezug setzen. Verbietet man etwas, sollte man trotzdem auch die anderen Aspekte berücksichtigen, warum die Zahl der Löwen zurückgeht – und nicht davon ausgehen, dass alle Probleme damit gelöst wären.

 

(Übersetzung des Facebook-Artikels „Ban of professional hunting only the tip off the ice berg“ vom 01. April 2014)

 

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