Afrika: unser nackter Kontinent

 

Im Leben jeder afrikaliebenden Person kommt der Moment, an dem man zurückschaut und sich tief im Innern fragt: warum liebe ich Afrika? Was macht Afrika so besonders für viele von uns? Warum fühlen wir uns täglich davon angezogen? Ist es die Tierwelt? Natur? Die Leute? Der Friede? Ein Ort an dem wir uns nicht beurteilt fühlen? Oder ist es ein einfacher “way of life”? Und schließlich: ist es romantisch?

Lassen Sie uns Ihnen etwas sagen: es ist nichts romantisch dabei zu sehen, wie die Menschen täglich kämpfen, wie Tiere abgeschlachtet, vergiftet und missbraucht werden. Aber trotzdem sehen wir dies nicht alles, wir sehen nur die glamouröse Seite dieses Kontinents. Ein Jäger, Naturschützer, Tourist und Fotograf – alle haben eine Sache gemeinsam, und das ist die Schönheit der Tierwelt und der Natur. Ja, glauben Sie es oder nicht – wir alle haben das gemeinsam, aber was wir tun nachdem wir die Natur genossen haben, das ist der Punkt, an dem sich die Rollen von Naturschützern, Touristen, Jägern und Fotografen verändern.

Wir wollen Ihnen alle diese sehr wichtige Frage stellen. Schließen Sie die Augen, nachdem Sie die Frage gelesen haben und versuchen Sie sich das folgende vorzustellen:

 

Was ist Afrika ohne seine Tierwelt?

 

Das ist ein sehr interessiertes Thema und wir haben angefangen darüber nachzudenken, nachdem wir über 2.000 km absolviert haben und sehr wenig gesehen haben. Was macht ein Land in Afrika besonders? Ja, es gibt viele schöne Landschaften in Afrika wie die mächtigen Victoriafälle, den Kilimanjaro, das Okavango Delta usw. Aber stellen Sie sich diese Frage: würden so viele Touristen halb um die Welt reisen um das zu sehen und dann am nächsten Tag oder einige Tage später wieder abreisen?

Die meisten Touristen werden von der Tierwelt angezogen und wenn sie schon mal in Afrika sind, besuchen sie auch diese Plätze. Können Sie sich die Masai Mara oder die Serengeti National Parks ohne Tiere vorstellen? Sie werden dahin gehen und flache, offene Savanne vorfinden – OHNE IRGENDWAS. Können Sie sich vorstellen Botswana zu besuchen und eine Bootsfahrt auf dem majestätischen Chobe River zu machen und Sie sehen NICHTS?

WELCHES EINKOMMEN HABEN DIE EINHEIMISCHEN ALSO NEBEN DEM TOURISMUS?

In vielen Ländern ist das Haupteinkommen der lokalen Bevölkerung entweder der Anbau von Getreide (wobei es sich dabei nicht um große Flächen handelt wie man sich das vielleicht vorstellen würde, sondern nur um kleine Flächen mit Getreide über das ganze Land verteilt).

 

Produktion von Holzkohle (wobei sie in den Busch gehen, sich einen schönen Baum aussuchen, möglichweise weit über 200 Jahre alt, ihn langsam brennen lassen bis er Schwarz wird und danach in kleine Stücke zerzeilen)

 

Überfischung der Flüsse mit Netzen, die von Organisationen zur Bekämpfung von Malaria verteilt wurden, aber statt dessen zum fischen verwendet werden. Wilderei um den Schwarzmarkt der Fleischindustrie am Leben zu erhalten.

Dann haben Sie die Einheimischen die entweder bei Farmern angestellt sind, in Minen oder touristischen Orten, aber wir müssen auch auf die schauen, die nicht angestellt sind und sich einen eigenen Weg suchen müssen um ein Einkommen zu erwirtschaften.

Bildung hat in der Mehrzahlt der kleineren Dörfer versagt und es sieht so aus, als ob das einzige was die Leute in diesen Dörfern zu tun haben ist das Überleben von Tag zu Tag. Da gibt es keinen Plan für die Zukunft, denn es dreht sich alles ums überleben. Können wir ihnen Vorwürfe machen? Nein, wir können nicht – da wir nicht in ihren Schuhen gelaufen sind. Zur Schule zu gehen wird von einigen als vergeudete Zeit angesehen, da die Väter ihre Söhne auf den Feldern oder bei den Rindern brauchen, die Töchter beim Sammeln von Nahrung oder dem Verkauf des selbstangebauten Getreide am Straßenrand oder der Hausreinigung benötigt werden. Die Bevölkerung wächst dramatisch, z.B. hat Malawi einen jährlichen Zuwachs von 2,5%. Wir fragen uns wie erfolgreich Verhütungsmittel sind.

Uns wurde von einem Einheimischen mal geantwortet, warum sie keine Kondome verwenden „Würdest Du einen Schokoriegel mit dem Verpackung essen? Nein – es ist das gleiche bei uns, es ist schöner ohne.“ Die meisten westlichen Konzerne kommen in die Länder mit dem Ziel Land für Minen oder Farmen zu kaufen. Das Land wird gekauft oder verpachtet durch die Chiefs, da es sich um schnelles, großes Geld handelt. Die Einheimischen der Gegend erhalten ein paar Brunnen und ein paar Luxusgüter um sie glücklich zu halten. Einige werden angestellt und die Reichen werden reicher und die Armen – nun, wir wissen alle was passiert. Nachdem die Bodenschätze abgebaut sind, verlassen die Konzerne das Gebiet und lassen die Leute in ihrer täglichen Routine zurück, expandieren in größere Gebiete und zerstören offensichtlich langsam aber sicher die Natur.

Wir können uns vorstellen dass einige Leute das lesen und erbost darüber sind, dass wir diese Organisationen angreifen die helfen wollen. Oder darüber erbost sind was wir hier schreiben – aber das ist nicht unsere Absicht. Wir haben die Verantwortung Ihnen alle diese Updates zu bringen und wir danken von ganzem Herzen den Organisationen, die in angelegenen Gebieten Tag für Tag so hart arbeiten. Wie wünschen uns mehr Menschen, die solche Organisationen unterstützen. Aber um etwas zu verändern, um die Tierwelt zu schützen, sind Milliarden von Dollars nötig. Tausend weitere Organisationen sind erforderlich um mit den lokalen Gemeinschaften zu arbeiten, dort zu leben und nicht nach ein paar Monaten oder Jahren wieder verschwinden..

Wenn das einzig wichtige für einen ist, am Leben zu bleiben und genügend Geld für Alkohol oder Telefonguthaben zu haben, um Freunde anzurufen, dann bedeutet die Tierweilt NICHTS für einen. Und wir können uns nicht darüber beschweren, wenn wir nicht Wege finden, wie diesen Gebieten geholfen warden kann. In Sambia war der von uns meistgehörte Satz von Kindern: „Mazungu, how are you?“ (“Weißer Mann, Wie geht es Dir?)

In Malawi ist es bisher: „Mazungu, give me money“ „Give me ball“ („Weißer Mann, gib mir Geld, gib mir einen Ball“). Wir haben in der Vergangenheit versagt, wenn diese Kinder immer noch so unterentwickelt sind und die Weißen nur als Geld ansehen, da wir für viele Jahre Geld gegeben haben, anstatt sie zu lehren wie sie selbst Geld verdienen können und ein geeignetes Leben führen können. Wenn die Bildung funktioniert hätte, würde man diese kleinen Kindern nicht um etwas fragen hören oder davonlaufen sehen, wenn man auf sie zugeht. Sie sehen Touristen täglich vorbeifahren und man muss sich selbst die Frage stellen: habe ich selbst was gegeben als ich unterwegs war, oder habe ich Zeit mit ihnen verbracht? Etwas auszugeben ist eine sehr einfache Methode und geht schnell. Die Zukunft der Tierwelt und der Tier-Korridore sieht immer düsterer aus und wir müssen uns selbst beschuldigen wenn sie alle verschwunden sind.

Eine kurze Geschichte:

Vor einigen Tagen haben wir am Luangwa River übernachtet, einen Ruhetag eingelegt und beschlossen mit einem kleinen Ruderboot auf den Fluss zu gehen. Wir haben einige Einheimische gesehen, die mit Netzen gefischt haben und haben gesehen, was sie aus dem Wasser gezogen haben. Die meisten Fische waren noch nicht einmal 3 Jahre alt. Und wenn wir nachgefragt haben wie der Fang war, haben sie geantwortet “Na ja, nichts großes, nur Kleinzeug”. Das kommt von der Überfischung, oder? NEIN, war ihre Antwort, es wird besser werden. Wirklich? Wie? Durch die magischen Bäume auf denen Fische wachsen? Nun können wir (westliche Gesellschaft) verärgert wegen des fischens sein, während unsere eigenen, sogenannten „gebildeten Leute“ genau das gleiche vor unseren Küsten tun?

Wir müssen die Menschen wachrütteln und wir wissen keine andere Möglichkeit als darüber zu schreiben. Um die Tierwelt zu schützen muss man den lokalen Gemeinschaften helfen, nicht sie RETTEN. Sie müssen nicht gerettet werden und wer sind wir sie zu “retten”? Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um allen Organisationen da draußen zu danken, allen diesen Menschen auf der ganzen Welt, die täglich mit den Einheimischen arbeite. All die Freiwilligen die darauf sparen, dahin zu fahren und den Organisationen zu helfen. Freiwillige, die Geld und Zeit spenden um jemand anderem zu helfen, anstatt das Geld anderweitig auszugeben.

Wir respektieren und schätzen ihr Engagement und Einsatz und würden uns wünschen, wenn sie mehr und mehr Gelder bekämen um gegen Abholzung, Überfischung, Wilderei, Flächennutzung und für bessere Bildung zu kämpfen. Wir möchten uns auch bei Ihnen bedanken, dass Sie nicht einfach nur geben, sondern Methoden lehren, wie Einkommen erziehlt werden können, statt einfach nur die Hand aufzuhalten.

 

(Übersetzung des Facebook-Artikels „Africa: Our bare continent“ vom 22. April 2014)

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